Wie gemeinsames Musizieren Generationen miteinander verbindet

Die traditionsreiche Familiensingwoche in Dahme kann trotz Corona stattfinden. Die Teilnehmer schätzen das musikalische Miteinander in der Gemeinschaft als bereichernde Pause vom Alltag.

In einer großen Runde sitzen Frauen, Männer und Kinder am Morgen auf der Wiese vor dem Speisesaal des Dahmer Seminars für kirchlichen Dienst und halten Andacht. „Nutzen wir die Gelegenheit, die Schönheit der Welt wahrzunehmen. Hier haben wir einmal etwas mehr Zeit als sonst im Alltag“, sagt Andrea Kulin.
Die Kirchenmusikerin aus Baden-Württemberg leitet zum nächsten Lied über, und alle singen, begleitet von Klavier- und Bläserklängen. Nach dem stimmungsvoll-besinnlichen Auftakt beginnen die Proben. Die Kinder treffen sich im Heinrich-Schütz-Saal und die Erwachsenen in der Marienkirche in Dahme.

61 Teilnehmer bei Familiensingwoche des Jahres 2021 in Dahme

Die Familiensingwoche findet in diesem Sommer zum 52. Mal statt. 61 Teilnehmer aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie auch Bayern und Baden-Württemberg zählt sie in diesem Jahr. Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie sind im Vergleich zu 2020 etwas lockerer.
„Es können diesmal Menschen aus zwei Haushalten in einem Zimmer wohnen, vergangenes Jahr war es nur jeweils ein Haushalt je Zimmer“, sagt Maraike Schäfer. Sie hat die musikalische Gesamtleitung der Familiensingwoche inne und ist Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Singwochen. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Claudia Silter hat sie die Singwoche organisiert.
„Jedes Jahr werben wir auch Fördergelder ein, damit wir die Dozenten auch bezahlen können“, sagt sie. Diesmal unterstützt die Stiftung Kirche im Dorf aus Potsdam die Familiensingwoche.

Mit einer Andacht nach dem Frühstück beginnen die Teilnehmer der Familiensingwoche 2021 in Dahme jeden Tag.

Mit einer Andacht nach dem Frühstück beginnen die Teilnehmer der Familiensingwoche 2021 in Dahme jeden Tag.
© Foto: Birgit Keilbach

Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Thema Gerechtigkeit

Wie in jedem Jahr steht die Singwoche auch diesmal unter einem christlichen Thema. Unter dem Motto „Wenn der Himmel die Erde küsst“ widmen sich die Teilnehmer der Idee aus dem Alten Testament „Milch und Honig für alle“, in der es um die Gerechtigkeit geht, um das Teilen der Güter, damit sie für alle reichen und alle satt werden. Diese Idee zieht sich als roter Faden durch die gesamte Woche. Die Kinder studieren ein Musical ein. „Es erzählt die biblische Geschichte der Speisung der 5000“, sagt Maraike Schäfer. Für die Erwachsenen hat der Berliner Kirchenmusiker Daniel Richter zwei Stücke eigens für den Singwochen-Chor mit seiner speziellen Besetzung bearbeitet. Das Spiritual „Let us break bread“, in dem das Teilen von Brot thematisiert wird, ist eines davon.

Proben sind Herausforderung für Organisatoren und Teilnehmer der Singwoche in Dahme

Die Proben dafür sind für alle eine Herausforderung. In der Marienkirche sitzen und stehen die verschiedenen Stimmen auf den Emporen verteilt: Bass, Tenor, Alt 1, Alt 2 und Sopran. Daniel Richter steht vor der Orgel und schlägt die Akkorde auf dem Klavier an. Stimme für Stimme, Akkord für Akkord erarbeiten sich die Sängerinnen und Sänger das Lied. „Ich habe die Akkorde passend zur Melodie ausgewählt und die Noten für diesen Chor entsprechend geschrieben und auf die fünf Chorstimmen verteilt“, erläutert der Kirchenmusiker. Jede Strophe erarbeiten sich die Sangesfreudigen nacheinander. Daniel Richter steht am Klavier, lauscht und lobt zwischendurch: „Das hört sich schon sehr gut an.“ Zur Singwoche ist er durch seine Freundin Maraike Schäfer gekommen und zum zweiten Mal dabei. „Ich verbringe meine Freizeit gern mit Leuten, die gerne singen wollen“, sagt er.

In der Dahmer Marienkirche proben die Erwachsenen. Auf den Emporen sind die verschiedenen Stimmen verteilt. Ganz oben sitzen die Bässe, gegenüber die Sängerinnen mit den Sopran-Stimmen.

In der Dahmer Marienkirche proben die Erwachsenen. Auf den Emporen sind die verschiedenen Stimmen verteilt. Ganz oben sitzen die Bässe, gegenüber die Sängerinnen mit den Sopran-Stimmen.
© Foto: Birgit Keilbach

Kinder studieren in Dahmer Familiensingwoche Musical ein

Im Heinrich-Schütz-Saal sitzen die Kinder in großer Runde und üben mit Fiona-Luisa Huang das Musical ein. Die passenden Gesten zum Text werden gleich mitgelernt. Und wie der Mund zu öffnen ist, damit der Ton auch klar herauskommt, das ist von den Mädchen und Jungen leicht nachzumachen. „Ich finde es sehr schön, wie die Chorleiterin das Lied mittels Bewegung rübergebracht hat. Hier lernt man spielend beim Singen“, sagt Henriette Kraatz. Die Berlinerin ist mit ihrer Mutter Sunnhild erstmals bei der Singwoche dabei. „Es ist eine bunte Mischung aus Musik, und das Vermitteln ist auch anders, eine schöne Bereicherung“, sagt Henriette Kraatz, die an Stelle einer Freundin nun die Gelegenheit nutzt, eine Ferienwoche singend zu verbringen. Für Selina Buhr mit ihren Kindern Liana (2), Mateo (6) und Mira (8), ihre Schwester Isabella Jahns und Nichte Maria Friedo gehört die Familiensingwoche schon seit der Kindheit zum festen Bestandteil des Ferienprogramms. „Man kommt hierher und weiß, was zu erleben ist. Vieles ist in den Jahrzehnten gleich geblieben und das ist das Schöne daran“, beschreibt Selina Buhr die Faszination der Singwoche. „Es ist eine Woche Urlaub mit Musik und gutem Programm für den ganzen Tag für die ganze Familie“, ergänzt Maria Friedo.

Die Studentin für Kinder- und Jugendchorleitung Fiona-Luisa Huang aus Hannover erarbeitet mit den Kindern das Musical. Dabei wird der Text zugleich mit dazugehöriger Gestik erlernt.

Die Studentin für Kinder- und Jugendchorleitung Fiona-Luisa Huang aus Hannover erarbeitet mit den Kindern das Musical. Dabei wird der Text zugleich mit dazugehöriger Gestik erlernt.
© Foto: Birgit Keilbach

Hausmusikabend ist Höhepunkt der Familiensingwoche in Dahme

Aus vielen kleinen Familien wird in dieser Woche eine große, die sich neben dem gemeinsamen Singen und Musizieren auch zum Spielen, Lesen und Tanzen zusammenfindet. Heimlicher Höhepunkt ist der Hausmusikabend am Freitag. „Da wird nicht nur musiziert. Es gibt auch kleine Gesangsgruppen, manchmal einen Sketch. Manche proben dafür schon vorher. Wir sind da eher spontan“, erzählt Selina Buhr.

Von Birgit Keilbach (erschienen in der Lausitzer Rundschau am 29.07.2021)


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