Singen und musizieren - mit Abstand

Trotz Corona Die 51. Auflage der Familiensingwoche in Dahme konnte trotz Pandemie realisiert werden. Dazu wurden Teilnehmerzahlen begrenzt und ein umfassendes Hygienekonzept entwickelt.

Singwochen haben im Dahmer Seminar für kirchlichen Dienst eine lange Tradition. Seit Sonntag proben auch in diesem Jahr Kinder, Jugendliche und Erwachsene für eine gemeinsame Aufführung. Das stand allerdings lange infrage. "Erst mit den Lockerungen im Juni gab es unter Einhaltung strenger Auflagen grünes Licht vom Seminar", sagt Maraike Schäfer. Sie ist Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Singwochen e.V. und hat die musikalische Leitung inne. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Claudia Silter hat sie die Singwoche unter Corona-Bedingungen organisiert. Gefördert wird das Projekt in diesem Jahr von der in Potsdam ansässigen Wilhelm-Türk-Stiftung „als generationsübergreifende Veranstaltung mit religiösem Bezug", sagt Claudia Silter.

Proben mit viel Abstand ist für die Bläser des Blechdonner-Ensembles unter Leitung von Isabella Schöne (vorn) im Heinrich-Schütz-Saal des Dahmer Seminars gut möglich.

Proben mit viel Abstand ist für die Bläser des Blechdonner-Ensembles unter Leitung von Isabella Schöne (vorn) im Heinrich-Schütz-Saal des Dahmer Seminars gut möglich.
© Foto: Birgit Keilbach

Jung und Alt musizieren

Dieser Charakter des gemeinsamen Musizierens und Singens von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis ins Seniorenalter ist auch diesmal gegeben, obwohl die Teilnehmerzahl bei 65 vorliegenden Anmeldungen auf 45 begrenzt werden musste. Wegen der Corona-Auflagen sind viele Zimmer im Seminar nur einzeln oder mit Familienmitgliedern eines Hausstandes belegt. Zwei Teilnehmer wohnen in der nahegelegenen Seniorenresidenz. Abstand lautet das Gebot auch bei den Chor- und Instrumentalproben.
"Das ist nur möglich, weil wir viel im Freien proben und große Räume haben, die gut belüftet werden können", sagt Maraike Schäfer. Sänger und Musiker könnten gut die mindestens zwei Meter Abstand zueinander halten und sechs Meter zum Chorleiter. In der Kirche probt der Erwachsenenchor verteilt auf den zwei Emporen. "Es gibt feste Sitzplätze, jeder hat seinen eigenen Notenhefter, und auch die Instrumente dürfen nicht getauscht werden", nennt sie weitere Punkte. Für die musikalische Umsetzung bedeute dies schon eine ziemliche Umstellung. Wir mussten kreativ werden, was die Stimmenverteilung betrifft."

Besondere Komposition

Darüber hinaus habe Lothar Kirchbaum, Begründer der Singwochen und ehemaliger Landessingwart der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, extra ein auf die besondere Situation zugeschnittenes Stück komponiert. "Es erzeugt improvisatorisch viel Klang, bei dem sich die verschiedenen Stimmen überlagern", erläutert Maraike Schäfer. Einstudiert werde ein Kindermusical unter dem Motto „Gerempel im Tempel", begleitet von den Bands „Blechdonner" (Blechbläser) und „Streichhölzer" (Streicher und Holzbläser). Der Erwachsenenchor bringe sich mit anspruchsvollen Chorstücken ein. Die musikalische Bandbreite reiche von Klassik über Gospel bis Pop.
Trotz der veränderten Situation freuen sich die Teilnehmer über die gemeinsame Zeit in Dahme; Martina Schermer und Johanna Rapp aus Düsseldorf zum Beispiel. Beide singen im dortigen Konzertchor und genießen die Atmosphäre. "Es ist schön, dass wir nicht nur singen, sondern auch die Möglichkeit haben, in einem Ensemble zu spielen", sagt Johanna Rapp, die ihre Querflöte dabei hat. Martina Schermer gefällt das Gesamtkonzept. "Der ganze Tag ist von Musik begleitet. Er beginnt mit musikalischem Wecken, Andacht und Frühstück. Bei den Proben sind alle integriert, Kinder und Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene", sagt die Düsseldorferin.

Singen als Herausforderung

„Das Singen ist dieses Jahr eine Herausforderung, man kann sich nicht so spontan austauschen wie sonst", beschreibt Mathilda Kirchbaum (11) den Unterschied zu den vergangenen Jahren. Es sei aber schön, die Freunde wieder zutreffen und etwas gemeinsam zu machen. Das gefällt auch Charlotte Zacharias (14): "Ich freue mich auf das Musical und besonders auf den Hausmusik-Abend." Dafür lassen sich die Teilnehmer viel einfallen und stimmen sich teilweise schon vor der Singwoche untereinander ab, weiß Maraike Schäfer.
Gemeinsam singen, musizieren, entspannen und die Bekanntschaften auffrischen; das schätzen Imke Dubrau aus Berlin und Kerstin Auktor aus Reichertshausen am Inn. Das Konzept sei für die Mütter schön, weil die Kinder ein eigenes Programm einstudieren und die Eltern zeitgleich ihre Proben absolvieren können. "Man hat Zeit für sich, die Kinder und die Musik. Und mit dem Abschlusskonzert ein schönes Ergebnis", sagt Kerstin Auktor.

Von Birgit Keilbach (erschienen in der Lausitzer Rundschau am 31.07.2020)


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