Tischgebete

Dietrich Mendt schreibt in seinem Heftchen "Eine kleine Pause für Gott" (EVA Berlin 1982): "Wir lachen gern zu Hause. Ihr auch? Darf man lachen, wenn man zu Gott betet und sich für das Essen bedankt? Wir denken, man darf lachen, vor allem, wenn man immer so reichlich zu essen hat wie wir! Wenn wir lachen wollen, beten wir manchmal so:" Dieser Idee folgend, habe ich (insbesondere für die vielen Singwochen, welche ich jährlich halte) versucht, diese schönen Gebete zu ergänzen. Dabei gehe ich von der Überzeugung aus, dass Frömmigkeit und Humor einander nicht etwa ausschließen, sondern dass Gott sehr gern lächelt. Eine herzliche Einladung also an alle, die diese Ansicht teilen, zu fröhlichem Gebrauch der folgenden Gebete. Anschließend wünsche ich natürlich: "Guten Appetit!" Lothar Kirchbaum

Wie köstlich, Herr, wie wunderbar
schmeckt die geschmorte Paprika.
Und hat sie auch noch Fleisch darinnen,
so muss ich sie noch heißer minnen.
Gefüllte Paprika mit Fleisch!,
Herr, wer ist dir an Güte gleich?!
Drum danken, die zur Speisung kamen,
verehren deinen hohen Namen
Und sprechen darauf kräftig: Amen!

Dieser mag Milchreis mit Zucker und Zimt,
jener viel lieber Salat zu sich nimmt .
Ihr schmecken Nudeln, und Eintopf mag er,
ich liebe Braten, du Fisch aus dem Meer.
Welch' Fülle der Gaben dürfen wir haben um uns zu laben.
Dem Schöpfer sei Dank und Lob seinem Namen: Amen!

Gutes besser zu bereiten hilfst du, Herr, durch Kleinigkeiten.
Wie zum Beispiel schmeckte übel die Tomate ohne Zwiebel?!
Und was wäre allenfalls eine Suppe ohne Salz!
Deine Güte macht uns froh! Mit ihr ist es ebenso.

Wenn zart ein frischer Duft vom Braten die Nase lockend schon umweht,
dann scheint das Essen wohlgeraten, dann steige auf unser Gebet.
Wie herrlich labt unser Gemüte der große Gott, der freundlich wacht
und der in seiner milden Güte nebst Braten auch die Nas‘ gemacht.
Drum danken wir bar jeder Phrase
wie für den Braten, so für die Nase. 
Amen!

Dem Gaumen zum Kitzel schenkt Gott uns das Schnitzel,
der Zunge zum Wunder den Tee von Holunder,
als Labsal den Nasen gebratenen Hasen
und für die Gesundheit: Möhren!
Wir danken und preisen den Braten, den heißen,
wir jubeln: „Juchhee“ und trinken den Tee
und wollen Gott dankbar verehren.
Amen!

Wenn das Essen man ganz frisch hat
und auch Freunde mit am Tisch hat
gut sich's isst und gut sich's spricht.
Dank sag ich aus diesem Grunde,
aber nicht mit vollem Munde,
Herr, denn das gehört sich nicht.

Ob schwarz, ob weiß, ob Pumpernickel,
ob Sesam, Mohn, ob andre Pickel,
ob Brötchen, Brotlaib oder Fladen,
wie kärglich wär‘ das Mahl geraten,
wenn wir dich missen müssten: Brot!
Dass wir dich haben: Dank sei Gott!
So stillt er unsres Leibes Not,
der Seele ist er selber Brot. 
Amen!

In Sachsen heeßt‘s "Bemme" und "Stulle" in Preußen
und hier wie da schmeckts und gibt Stärke.
So lasst des Allmächtigen Güte uns preisen;
mit Freude genießen der Werke.
Ob Semmel, ob Schrippe, ob Brötchen:
Dank, Herr! Du versorgst mit dem Nöt'gen! 
Amen!

Herr, du läßt uns unsern Hunger stillen
nicht durch Tropfen oder auch durch Pillen,
sondern mal durch Reis durch Hasenbraten,
durch Kartoffeln, Spargel und Tomaten
Herr, hab Dank, dass man nicht nur was aß,
sondern auch am Essen hatte Spaß!

Nicht nur, dass wir das Licht der Welt vor Zeiten neugierig erblickt,
nicht nur, dass Gott getreu seither uns täglich neu die Sonne schickt,
nicht nur, dass gnädig Nacht für Nacht
er unsern Schlaf und Traum bewacht,
nein, auch für des Leibes Hülle
schenkt er uns immerfort die Fülle
schmackhafter und gesunder Gaben,
die Nase, Augen, Zunge laben.
Sie aufzuzählen sprengt den Rahmen.
Für alle danken wir, Herr: Amen!

Manch einem reicht die Portion
in einem Fingerhütchen schon.
Ein andrer nimmt ein wenig mehr.
Oft muss sogar ein Nachschlag her.
So oder so: Dank sei Dir, Gott, in jedem Falle!
Von Deiner Güte leben wir und diese wird gewiss nie alle. 
Amen!

Der Vegetarier, sehr schlank, sagt dir, o Gott, von Herzen Dank.
Ein andrer, etwas mehr Gewicht, vergisst erst recht das Danken nicht.
Ob kugelrund, ob spindeldürr, von deiner Güte leben wir;
Ob spindeldürr, ob kugelrund, gleichviel: es preist dich unser Mund! Amen!

(stehend beginnen!:)
Soviel wir sonst auch jagen und hetzen,
nun halten wir inne, nun wolln wir uns setzen.
An Tischen, beladen mit leckerer Last
vergessen wir Mühsal und Sorge und Hast.
Ein Augenblick Stille, die Gedanken gewendet
zu unserem Schöpfer, der all dies gespendet.
Er stärket den Leib Kindern, Herren und Damen.
Wen dieses nun freut, der dankt mit mir:  Amen!

Die eine trinkt Kaffee, der andere Tee 
und beiden lacht schon das kalte Buffett
Und doch haben beide noch etwas Geduld
und danken zuerst für des Schöpfers Huld.
So sag ich mit ihnen und ohne Geschwafel:
Es segne der Herr uns und unsere Tafel. 
Amen!

Tasse, Teller, Messer, Gabel, alle halten mal den Schnabel.
Messer, Gabel, Tasse, Teller, denn so geht es doch viel schneller.
Messer, Gabel, Teller, Tasse, danke, Gott, es riecht schon klasse!
Tasse, Teller, Gabel, Messer, mit Gebet schmeckt es noch besser!  Amen!

Frische Rohkost und Gemüse,
ach, wie lobe ich mir diese
Speise, auch die Gurke und Tomate!
Doch ich ess’ nicht auf’s Gerate-
wohl und ohne Dank so los.
Nein, ich juble: Gott, wie groß-
artig Du all dies gemacht,
sehe ich mit größter Acht-
ung. Danke! Lob sei Deinem Namen, 
und wer mag, der spreche: Amen!

Mit Freunden zu Tisch. 
Das Essen ist frisch.
O Gott, unvergleichlich,
Du gibst uns so reichlich!
Schon liegt in der Luft ein lieblicher Duft und schmeichelt den Sinnen.
Wir sagen dir Dank für Speise und Trank! Nun lasst uns beginnen.
Amen!

Täglich hab ich auf dem Tisch all die guten Speisen,
lieber Herr, drum freu ich mich, will dich dankbar preisen.
Schau ich dann noch in die Runde, will das Herze springen,
dass es uns gemeinsam munde, dies vor allen Dingen
unser Spaß ist. Und wir seh'n wie übervoll deiner Güte Maß ist!  Amen!

Selbst wenn er falsch ist, schmeckt der Hase
und ist zur Labe uns erkoren.
Und sind die Eier auch „verloren“,
ihr Senf-Aroma lockt die Nase
Drum danken alle, die zu Tische kamen
und loben Gott und sprechen: Amen!

Der Pudding ist kalt, noch kälter das Eis,
Kartoffeln jedoch und Gemüse sind heiß.
Herzwarm ist mein Dank, Herr, Du nährst Jung und Alt;
Kurz bleibt dies Gebet; das Gemüse wird kalt.
Amen!